PROJEKTESimon Raven / Almosen fürs Vergessen

Simon Raven, © Elfenbein Verlag

Der Autor Simon Raven (1927—2001) besuchte als Sohn einer Strumpffabrikantenfamilie die Charterhouse School.
Nach seinem Militärdienst, den Raven als Offiziersanwärter in Indien ableistete, studierte er ab 1948 am King’s College in Cambridge Altphilologie. Er wurde Vater eines Sohnes und heiratete widerwillig. Fortan widmete er sich der Schriftstellerei und arbeitete als Literaturkritiker.
Ein ausschweifender Lebenswandel, kühne Meinungen, seine offen ausgelebte Bisexualität und die Tatsache, dass er das Material für seine Bücher aus dem unmittelbaren Freundeskreis gewann und mit freizügigen Sexszenen und scharfzüngigen Urteilen über die Gesellschaft kombinierte, verschafften ihm einen Ruf als Schandmaul unter den englischen Nachkriegsautoren.
Zur gleichen Zeit wurde er von namhaften Kollegen wie etwa Anthony Powell nicht nur als Literaturkritiker, sondern auch als Literat geschätzt. Sein 10-bändiger Romanzyklus „Alms for Oblivion“ (1964—1976) wird heute mit dem Werk von Lawrence Durrell, Graham Greene, Anthony Powell und Evelyn Waugh verglichen und Raven als „einer der brillantesten Romanciers seiner Generation“ bewertet (Patrick Newley).
Einem größeren Publikum bekannt geworden war Raven allerdings zunächst durch Arbeiten fürs Fernsehen, wie die Verfilmung von Trollopes „The Pallisers“ (1974) und die Serie „Edward and Mrs. Simpson“ (1978), sowie die Mitarbeit am Drehbuch für den James-Bond-Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969). Dem Vorwurf, ein Snob zu sein, begegnete er mit dem Hinweis, er schreibe „für Leute, die sind wie ich: gebildet, weltgewandt und skeptisch.“

Das Werk: „Alms for Oblivion“

Mit der ersten deutschen Übersetzung der Romanreihe „Almosen fürs Vergessen“ kann Simon Raven nun endlich auch hierzulande entdeckt werden. Mal mehr, mal weniger locker mit dem bewegten Lebensweg des englischen Berufssoldaten und Schriftstellers Fielding Gray verbunden, der nach einem Indienaufenthalt auch auf Zypern und in Deutschland stationiert ist, umspannen die zehn jeweils eigenständig lesbaren Romane erzählerisch die Jahre 1945 bis 1973. Sie sind miteinander verwoben durch die Mitglieder einer Gruppe privilegierter Internatsschüler, die sich im ersten Band „Fielding Gray“ eben anschicken, in die verschiedenen politischen, publizistischen, wirtschaftlichen und militärischen Schaltstellen des britischen Gesellschaftslebens aufzurücken.

Die Ausgabe startet im Frühjahr 2020 mit dem Roman „Fielding Gray“ in der Übersetzung von Sabine Franke und wird in halbjährlichem Rhythmus durch jeweils einen weiteren Roman der Reihe ergänzt, bis sie im Herbst 2024 abgeschlossen sein wird. Die BSCW-Stiftung fördert die Übersetzung.

Simon Raven, „Fielding Gray“, Roman.
Aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Sabine Franke
erscheint im März 2020 beim Elfenbein Verlag, Berlin
ISBN 978–3–96160–013-7

Links:

Elfenbein Verlag

Simon Raven/wikipedia.org