PROJEKTEAnthony Powell / Ein Tanz zur Musik der Zeit

Der zwölfbändige Romanzyklus »Ein Tanz zur Musik der Zeit« — aufgrund seiner inhaltlichen wie formalen Gestaltung immer wieder mit Marcel Prousts »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« verglichen — gilt als das Hauptwerk des britischen Schriftstellers Anthony Powell und gehört zu den bedeutendsten Romanwerken des 20. Jahrhunderts. Inspiriert von dem gleichnamigen Bild des französischen Barockmalers Nicolas Poussin, zeichnet der Zyklus ein facettenreiches Bild der englischen Upperclass vom Ende des Ersten Weltkriegs bis in die späten sechziger Jahre. Aus der Perspektive des mit typisch britischem Humor und Understatement ausgestatteten Ich-Erzählers Jenkins — der durch so manche biografische Parallele wie Powells-Alter-Ego anmutet — bietet der »Tanz« eine Fülle von Figuren, Ereignissen, Beobachtungen und Erinnerungen, die einen einzigartigen und aufschlussreichen Einblick geben in die Gedankenwelt der in England nach wie vor tonangebenden Gesellschaftsschicht mit ihren durchaus merkwürdigen Lebensgewohnheiten. Der historische Hintergrund, die Jahre zwischen 1921 und 1934, scheint dabei immer wieder überraschend schlaglichtartig auf.
In deutscher Sprache ist Powells »Tanz« recht unbekannt geblieben, mangelte es doch bisher an einer Übersetzung des gesamten Zyklus. Drei Anläufe hat es in der Vergangenheit gegeben, alle scheiterten. Die im Herbst 2015 begonnene deutsche Ausgabe basiert auf den in den 80er Jahren von Heinz Feldmann angefertigten und noch einmal vollständig durchgesehenen ersten drei Teilen. Bisher sind sieben Bände erschienen. Die Bände 8 bis 12 werden zwischen März 2017 und Oktober 2018 publiziert — aus der Feder desselben Übersetzers, über den Anthony Powell in seinem Tagebuch vermerkte: “I am lucky to have him as a translator.“

Der Elfenbein Verlag wurde für die Edition des Romanzyklus „Ein Tanz zur Musik der Zeit“ von Anthony Powell mit dem Kurt-Wolf-Preis 2018 ausgezeichnet.

Die BSCW-Stiftung unterstüzt die Übersetzungen der Bände 8 bis 12.

Nicolas Poussin (1594-1665), Tanz zur Musik der Zeit 

Aus „Eine Frage der Erziehung“ (Band 1 des Romanzyklus „Ein Tanz zur Musik der Zeit“)
<<Diese Projektionen aus klassischer Vergangenheit, … beschworen plötzlich die Szene des Gemäldes von Poussin, in der die Jahreszeiten, Hand in Hand und nach außen gewandt, zu der Musik der Leier tanzen, die der geflügelte, nackte Graubart spielt. Und diese allegorische Darstellung der Zeit weckte dann Gedanken an das irdische Leben: an die Menschen, wie sie, nach außen gewandt wie die Jahreszeiten, sich Hand in Hand in verschlungenem Rhythmus bewegen; wie sie langsam, methodisch und manchmal leicht unsicher schreiten in Wendungen, die erkennbare Formen annehmen, oder wie sie ausbrechen in wilde, scheinbar sinnlose Drehsprünge, während ihre Partner verschwinden, nur um dann wieder zu erscheinen und erneut dem Schaustück eine Struktur zu geben; wie sie unfähig sind, die Melodie, und unfähig vielleicht auch, die Schritte des Tanzes zu bestimmen.>>

 

Anthony Powell (1905—2000) besuchte das Eton College, studierte in Oxford und heiratete eine Adlige. Er arbeitete als Lektor in einem Londoner Verlag, schrieb Drehbücher und Beiträge für britische Tageszeitungen, war Herausgeber des Magazins »Punch« und Autor zahlreicher Romane. Jene gesellschaftliche Oberschicht Großbritanniens, der er selbst angehörte, porträtierte er in seinem zwölfbändigen Romanzyklus »A Dance to the Music of Time«. Während seine Altersgenossen und Freunde Evelyn Waugh, Graham Greene und George Orwell sich auch im deutschsprachigen Raum bis heute großer Popularität erfreuen, ist Anthony Powell hierzulande noch nahezu unbekannt.

Der Übersetzer Heinz Feldmann (geb. 1935) studierte Anglistik, Germanistik und Philosophie in Münster und York. Zwischen 1967 und 2000 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent, Lektor und Oberstudienrat im Hochschuldienst an der Universität Münster und veröffentlichte Monografien und Aufsätze über Harold Pinter, John Wain und William Wycherley. Mit seiner Übersetzung von Anthony Powells »Tanz zur Musik der Zeit« begann er in den 1980er Jahren in engem Kontakt mit dem Autor.

 

Erscheinungstermine:
März 2017:       Band 8,   Die Kunst des Soldaten
Oktober 2017:  Band 9,   Die Philosophen des Krieges
Oktober 2017:  Band 10, Bücher schmücken ein Zimmer
März 2018:       Band 11, Könige auf Zeit
Oktober 2018:  Band 12, Der Klang geheimer Harmonien

Die Taschenbuchausgabe des Romanzyklus "Ein Tanz zu Musik der Zeit" erschien bei dtv:
Band 8,   Die Kunst des Soldaten
Band 9,   Die Philosophen des Krieges
Band 10, Bücher schmücken ein Zimmer
Band 11, Könige auf Zeit
Band 12, Der Klang geheimer Harmonien

© Elfenbein Verlag

Hilary Spurling, Herausgabe der Biografie "Antony Powell" in deutscher Sprache

Die deutsche Übersetzung der Biografie Anthony Powells von Hilary Spurling wird beim Elfenbein Verlag erscheinen. Die Biografie (Originaltitel: Antony Powell. Dancing to the Music of Time) wird von Heinz Feldmann übersetzt, der bereits den 12-Bändigen Romanzyklus „Ein Tanz zur Musik der Zeit“ ins Deutsche fasste.
Die BSCW-Stiftung fördert die Übersetzung der Biografie.

Hilary Spurlings Biographie zeichnet Powells vielen Freundschaften nach, aber auch seine Liebesaffären und seine starke, tiefe und dauerhafte Ehe, aus der er in den Jahren, als er seinen außerordentlichen zwölfbändigen Roman Ein Tanz zur Musik der Zeit“ schrieb, große Kraft schöpfte. Spurling stützt sich auf seine Briefe und Tagebücher und auf die Memoiren jener, die ihn kannten, und eröffnet damit zum ersten Mal einen Blick auf seinen eigenen Tanz zu der Musik der Zeit, auf die komischen und tragischen Ereignisse und die turbulente Gruppe von Menschen, die ihn zu einem der mächtigsten Romanwerke der Epoche inspirierten.

Hilary Spurling, © Justine Stoddart

Hilary Spurling ist die Autorin zahlreicher Biographien, einschließlich eines zweibändigen Werkes über das Leben von Matisse, The Unknown Matisse“ und Matisse the Master, für das sie 2005 den Preis Whitbread Book of the Year“ erhielt und das inzwischen in fast jede Sprache, einschließlich des Russischen und Chinesischen, übersetzt ist. Hilary Spurling wuchs in Bristol auf und studierte am Somerville College, Oxford. Von 1964 bis 1970 war sie Literaturredakteurin beim „Spectator“, und seitdem schreibt sie regelmäßig für den Observer“ und den Daily Telegraph“. Sie war zehn Jahre lang Kuratorin des Royal Literary Fund“ und gründete dessen Stipendiumsprogramm für Schriftsteller“. Im Jahre 2016 erhielt sie den Preis Biographers Club Lifetime Achievement Awardr ihr Lebenswerk.